Der Mythos Rassekatzen – Die Wahrheit über Züchter, Papiere, Kosten und deren „Standarts“

Vorwort: Es soll bei diesem Artikel nicht darum gehen Züchter und Katzenvereine ansich schlecht zu machen. Schließlich liebe ich Katzen! Und ich mag jeden, der das ebenfalls tut. Und ich finde es auch großartig, dass es Vereine gibt, die sich auf Katzen, deren Vielfalt und Arterhaltung spezialisiert haben. Das ist eine wichtige und gewissenhafte Arbeit und ich glaube jedem Züchter, dass er ein tierlieber Mensch ist und die Gesundheit ihrer Katzen an erster Stelle steht. ABER…

Wer kennt das nicht?

Man hat Katzen oder überlegt sich eventuell eine zu kaufen. Um die Katzen bestmöglich versorgen zu können, möchte man sich Rat von anderen Katzenbesitzern einholen, meldet sich bei einem Katzenforum an und stellt die ein oder andere Frage. Aber anstatt, dass die Frage einfach beantwortet wird, wird oft erstmal hinterfragt, wieso du diese Frage überhaupt stellst. Und wieso du nicht schon die anderen 1000 Themen zu diesem Thema durchgelesen hast. Und warum du überhaupt, deiner Katze dieses zu fressen geben möchtest, wie du nur Streu X verwenden kannst und überhaupt, wieso du so ein unverantwortlicher Mensch bist, dass du das nicht schon alles längst weisst. Wenn man sich dann noch rechtfertigen oder seine Situation genauer erklären möchte und dabei fallen Wörter wie „Katze ohne Papiere“, dann ist es ganz vorbei… Bevor man auch nur eine brauchbare Antwort bekommen hat, wird man verbal in der Luft zerrissen. Und das von Menschen, die meinen sie wären die tierliebsten Menschen und seriösesten Handelsleute der Welt- ich rede von „professionellen Züchtern“. Was viele von ihnen ganz gerne vergessen: Auch sie haben irgendwann mal klein angefangen. Ihnen wurde das Wissen über Katzen auch nicht in die Wiege gelegt. Aber komischerweise scheint sich bei einigen, ab dem Zeitpunkt der Unterzeichnung einer Vereinsmitgliedschaft, eine grenzenlose Allwissenheit und eine enorme Intoleranz gegenüber anderen Katzenhaltern zu entwickeln…

Wie ihr merkt, möchte ich mich heute mal einem sehr kritischen und umstrittenen Thema widmen, welches mir selber sehr am Herzen liegt. Und im Gegensatz zu meinen anderen Beiträgen, wird es hier nicht nur um meine persönliche langjährige Erfahrung, sondern auch meine Meinung gehen. Ich möchte einfach die Fassade der Katzenzuchtvereine mal zum Bröckeln bringen und werde dabei auch viel auf die Spitze treiben.

composition évoquant la diversité des races félines

Ich muss zuerst mal eine Beichte ablegen: Wenn ihr meine anderen Blog-Themen schon kennt, wisst ihr, dass wir unseren Kater (der ja Papiere hat) zum Decken anbieten. Und nicht nur für Rassekatzen, sondern für alle. Außerdem Katzenbabies hatten. Ohne Papiere. Und wir sind kein Mitlgied eines Vereins. So! Das heisst ich erfülle zu 100% die Anforderungen, um als  „unseriöser, verantwortungsloser, kaltherziger, geiziger und egoistischer VERMEHRER“ zu gelten, der „nichts besseres zu tun hat als die Tierheime zu füllen“ (- Zitat von inzwischen zig verschiedenen Züchtern, die das mitbekommen haben, aber weder mich, noch meine Katzen überhaupt kennen).

Was ich damit sagen möchte: Natürlich warne ich genauso wie die anderen Züchter davor, sich unbedacht und aus Geiz Kätzchen aus osteuropäischen Ländern zu kaufen, die teils schon mit 8 Wochen abgegeben werden!!! Sie sind meistens total verwurmt, haben oft zahlreiche Katzenkrankheiten und werden von Kätzinnen zur Welt gebracht, die 3-4 Würfe im Jahr haben! Und nein, ich unterstütze auch keine verantwortungslosen Halter, die in ihren kleinen Etagen-Wohnungen mehrere unkastrierte Katzen beider Geschlechter rumlaufen haben (oder noch besser draußen rumlaufen lassen) und nicht über Kastration nachdenken!

ABER: Auch hier in Deutschland ist ein besonders fantasievoller und kitschiger Zwingername, noch lange kein Qualitätsmerkmal, geschweige denn ein Gütesiegel! Es gibt in Vereinen genauso schwarze Schafe, wie unter uns „Normalmenschen“ auch. Versteht mich nicht falsch: Ich halte den Großteil aller deutschen Katzenzüchter für tierliebe, verantwortungsbewusste und nette Menschen, denen die Gesundheit ihrer Katzen am meisten am Herzen liegen. Nur der Unterschied ist, dass ich weiss und auch zugeben kann, dass das bei allen anderen Katzenbesitzern ebenso so ist, die einfach nur ein Mal Katzenbabies haben möchten! Ich finde es falsch und höchst arrogant Katzenbesitzer und deren Tiere von Grund auf zu verurteilen, nur weil man selber Mitglied eines Katzenvereins ist. Hey, ich war auch jahrelang in einem Basketball Verein, komme aber auch nicht auf die Idee alle anderen, die gerne hobbymäßig Körbe werfen, aus Prinzip auszulachen…

Meine Vermutung, wieso viele Züchter leider so abgehoben sind, wie sie sind…

In einem Verein gibt es ja Regeln. Und diese kann man natürlich nicht, unter gar keinen Umständen umgehen. Auch nicht, wenn man die richtigen Leute kennt. Und diese Regeln sind natürlich auch gesetzlich vorgeschrieben. Es ist ja nicht so, als könnte jeder Vereinsgründer die Richtlinien selber bestimmen. Und die Kontrolle, in wie weit diese Richtlinien eingehalten werden, erfolgt natürlich auch in regelmäßigen Abständen, indem der Vereinschef persönlich bei jedem einzelnen Mitglied vorbei schaut. Bei allen 100 oder 1000… Der Datenschutz ist in Katzenvereinen inzwischen ebenfalls ein so großes Thema, dass sämtliche Vereins- Informationen schon in High Tech Computern, hinter zig Firewalls und nur mit 20 Passwörtern hinterlegt werden. Nur Hacker der NSA könnten dieses unfehlbare System knacken. Mit dem Eintrag in ein Vereinsregister, erhält man zudem automatisch einige Lizenzen und einen unfehlbaren Status, natürlich ohne jegliche Form einer Fort- oder Ausbildung: Man erhält automatisch die Befugnis über alle anderen „nicht eingetragenen Züchter“ urteilen zu dürfen, ohne diese Menschen, die Lebensumstände oder die Katzen persönlich zu kennen. Zudem wird einem direkt das intergalaktische und wissenschaftlich fundierte Wissen über Katzen, sowie deren Haltung zuteil. Alle Äußerungen sind also völlig unfehlbar. Als Willkommensgeschenk erhält jedes neue Vereinsmitglied natürlich den gesunden Menschenverstand, der selbstverständlich bei jedem Mitglied einwandfrei funktioniert und dafür sorgt, dass jeder nur 1-2 Zuchtkatzen hat, die unter absolut natürlichen Bedingungen gehalten werden- Und nicht etwa 5 oder 6 in einer  drei Zimmer, 80 qm Dachgeschosswohnung… Außerdem wird man direkt Mitglied einer Gemeinschaft, in der man sich nach Eintragung plötzlich untereinander kennt, obwohl man diese Personen ebenfalls nie getroffen hat. Und man ist darauf programmiert jeden einzelnen zu mögen und im Notfall zu verteidigen. Alle Kaufverträge, die Züchter mit Abnehmern schließen, sind rechtlich feinsäuberlich ausgeklügelt und bindend! Sie wurden natürlich vom Bundesgerichtshof abgesegnet. Verstößt man gegen einen Absatz bekommt man zwangsläufig lebenslänglich…Außerdem unterschreibt man mit einem Vereinseintritt natürlich eine eidesstattliche Erklärung, dass man dem Finanzamt gegenüber stets die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sagt.

Und für alle, die es bis jetzt noch nicht gemerkt haben- JA, das war vielleicht ETWAS sarkastisch. Aber ich denke es hat das „unfehlbare System“ von Katzenvereinen deutlich gemacht, oder? 😉

Trotz meiner sehr kritischen Einstellung diesem Thema gegenüber, möchte ich das alles mal analysieren bzw. meine Erfahrungen und Sichtweisen erklären, in der Hoffnung, dass es vielleicht ein oder zwei Leser gibt, bei denen dieser Beitrag zumindest etwas zum Nachdenken anregt. Denn viele bekannte Aussagen und Erklärungen von Züchtern sind schlichtweg falsch und veraltet. Diese ganzen Rechtfertigungen möchte ich hiermit mal richtig stellen und einen Einblick hinter die Fassade von Zuchtvereinen geben. Ich habe mir extra die Mühe gemacht Zahlen zu recherchieren und das Ganze mal grob durchzurechnen…

Die bekanntesten Züchter Mythen:

 „Diese Nicht- Züchter füllen doch die Tierheime und sind somit total verantwortungslos!“

Aha, ist das so? Laut aktueller Statistik des IVH (Industrie Heimtierverband e.V.) leben in Deutschland aktuell ca. 8,2 Millionen Katzen. Davon sind ca. 1 Millionen „Straßenkatzen“ ohne zuhause. Diese werden aber zum Großteil von Tierschutzverbänden eingefangen und kastriert. Ungefähr 50% aller Katzen sind weiblich, d.h. 4,1 Millionen. 3 Millionen davon sind widerum im geschlechtsreifen Alter. Ungefähr 80% von diesen 3 Millionen erwachsenen Katzen sind kastriert, sprich 2,4 Millionen. Übrig bleiben 600 000 geschlechtsreife, unkastrierte Kätzinnen in Deutschland. So. In Deutschland gibt es ungefähr 100 gelistete Katzenzuchtvereine. Deren Mitgliederzahlen liegen zwischen 100 und 3000. Wenn wir im Schnitt nur von 300 Mitgliedern pro Katzenverein ausgehen, gibt es in Deutschland ungefähr 30 000 eingetragene Züchter. Durchschnittlich hat jeder Züchter 3 Zuchtkatzen, die im Jahr 1-2 Mal im Junge bekommen dürfen. D.h. 90 000 Zuchtkatzen. Wenn wir von einer durchschnittlichen Wurfgröße von 4 Babies ausgehen und annehmen, dass jeder Züchter sich tatsächlich an einen Wurf im Jahr hält, dann produzieren alle Züchter Deutschlands jährlich im Schnitt 360 000 Katzenbabies. Von den gesamt 600 000 potenten Kätzinnen bleiben ja nun noch 510 000 übrig, die sich auf die „Nicht Züchter“ Haushalte Deutschlands aufteilen. Nicht jeder von denen möchte auch, dass ihre Katze sich fortpflanzt. Ein Großteil von denen wird schließlich ganz alleine oder zusammen mit einer anderen weiblichen Katze in einem Haushalt gehalten. Realistisch denken nur 1-2% von denen daran ihre Katze mal decken zu lassen. Aber unterstellen wir mal großzügigerweise, dass 5% dieser Katzenhalter sich dafür entscheiden ihre Miezen ein Mal in ihrem Leben decken zu lassen. D.h. es sind 25 500 Kätzinnen, die widerum im Schnitt 4 Babies auf die Welt bringen. Also kommen wir da auf 102 000 Kitten im Jahr; das entspricht weniger als einem Drittel der Züchteranzahl. Was man zudem nicht vergessen darf: Zuchtkatzen bekommen ja nicht nur ein Mal in ihrem Leben Babies! Wenn wir pro Zuchkatze von 5 Würfen in ihrem gesamten Leben ausgehen, produzieren alle Züchter gesamt 1,8 Millionen Kitten. Bei den Würfen von Privatpersonen ist es hingegen so, dass die Babies meist schon an Verwandte und Freunde versprochen sind, bevor diese überhaupt auf die Welt kommen. Ich denke selbst als nicht Mathefan kann man also durchaus einen Unterschied feststellen. Sonst macht euch doch einfach mal einen Spaß und schaut im Internet in den typischen Haustierportalen (www.deine-tierwelt.de, kalaydo.de oder ebay Kleinanzeigen) nach und guckt mal, wie viele Angebote von Rassekatzen drin stehen und wie viele von Mischlingen… (Stand heute 7100 zu 1900 – wieder fast das 3:1 Verhältnis! 😉 )

Falls ihr meine persönliche Meinung zu diesem Thema wissen möchtet: Ich finde es höchst interessant, dass jemand der 10-15 Katzenbabies im Jahr zur Welt bringt, ernthaft denkt er würde den Tieren im Tierheim einen Gefallen tun und andere hingegen anschwärzt. Liebe Züchter: Wenn euch die Katzen aus dem Tierheim tatsächlich so am Herzen liegen würden, wärd ihr keine eingetragenen Züchter für Rassekatzen, sondern würdet Schlange vor den Tierheimen stehen, um die Kleinen, die wir Nicht-Züchter ja so böswillig produzieren, dort raus zu holen! Selber fleißig zu produzieren und auf andere mit dem Finger zu zeigen funktioniert nicht!

„Nur Katzen von Züchtern erfüllen Rassestandarts! Rassekatzen ohne Stammbaum sind keine richtigen Rassekatzen.“

Also in der Schule hat man mir da aber was anderes beigebracht. Da sollte ich vielleicht nochmal ein ernstes Wörtchen mit meinem Bio-Lehrer reden… Ich dachte es sei vollkommen logisch und biologisch so festgelegt, dass wenn ich eine reinrassige Katze mit einer reinrassigen Katze der gleichen Rasse verpaare, auch die gleiche Rasse dabei rauskommt!?!? Ich persönlich habe jetzt noch nicht davon gehört, dass wenn man zwei Perser verpaart hat, plötzlich ein Bengale gefallen ist… 😉 Ok, Spaß beiseite. Wie ihr merkt, ist das ein Argument, das ich leider nicht ganz ernst nehmen kann. Ich habe zu diesem Thema in einigen Katzenforen schon soooo viele endlose Diskussionen geführt und so unglaublich viele bescheuerte Argumente gehört, dass mir teils echt die Kinnlade runtergefallen ist… Mein Favorit: „Es könnte ja sein, dass du Katzenbabies aus dem Ausland irgendwo billig einkaufst und die dann zuhause als Rassebabies deiner eigenen Katzen verkaufst! Kann ja ohne Papiere keiner nachvollziehen!“ Jaaaa… total einleuchtend. Wenn Papa und Mama Katze zuhause rumlaufen und die Babies zufällig GENAU SO aussehen, muss ich aber im Ausland echt Glück gehabt haben! Und die Fotos ab Geburt bis zur Abgabe stammen natürlich auch alle aus Google, die habe ich nicht selber gemacht!

Ok, jetzt mal im ernst. Ja, ich kann die Züchter auch irgendwo verstehen. Natürlich müssen Rassestandarts erhalten bleiben, das sehe ich ein. Schließlich soll eine BKH auch noch in 10 Jahren offensichtlich wie eine BKH aussehen und die Art soll nicht plötzlich ganz andere Merkmale haben. Außerdem kann man seine Katzen ja auch ohne die typischen Merkmale gar nicht mit zu einer Ausstellung nehmen und Preise abräumen… Es gibt aber (abgesehen von der Tortur der Katzenausstellungen ansich) zwei Sachen, mit denen ich bei diesem Thema nicht einverstanden bin: 1. Wer einen gesunden Menschenverstand hat muss doch bitte auch zugeben können, dass wenn z.B. eine BKH mit einer BKH gekreuzt wird, dass der Nachwuchs auch BKH ist. Wer etwas anderes behauptet, macht sich in meinen Augen damit nur lächerlich. 2. Was teilweise dafür getan wird, um Rassestandarts zu erhalten oder gar „Modetrends“ zu züchten, ist in meinen Augen teilweise echt ätzend… Wovon ich rede sind Überzüchtung und insbesondere Inzucht. Wenn man also blaue Katzen immer mit bernsteinfarbenen Augen haben möchte, verpaart man logischerweise zwei Katzen, die genau diese Merkmale haben, um diese Standarts zu erhalten. Ist ja logisch. Aber: Die beiden bekommen zwei, drei Würfe zusammen. Und die Kinder der Kinder sollen später ja auch mal allen Rassestandarts entsprechen… Da einem in der Umgebung irgendwann die Alternativen an Vätern mit anderem Genpool aber passenden Merkmalen ausgehen, was liegt da näher als die Kinder mit ihren Eltern oder Cousins zu verpaaren, wenn man nicht gerade 300 oder 400km zum nächsten Deckkater mit den passenden Merkmalen fahren möchte!? Oder, um Rassen bzw Farben zu züchten, die gerade besonders gefragt sind, werden oft gezielt Kinder mit Elternteilen verpaart, wenn diese z.B. einen Gendefekt aufweisen, den man herauszüchten möchte. Wie zum Beispiel die eingedrückten Nasen bei Persern (je eingedrückter, desto besser! Scheiss auf Sauerstoff!) oder blaue BKHs mit blauen Augen (die nebenbei vor ein paar Jahren noch alles andere als rassespezifisch waren!). Eine Katzenzeitung beschäftigte sich sogar mit der Frage: Wie ist das Thema Inzucht bei den einzelnen Organisationen überhaupt geregelt? Antwort: „Überhaupt nicht! Die Mehrzahl der Organisationen hat nur Registrierungsregeln, aber keine Zuchtrichtlinien. Es ist meist nur geregelt, welche Rassenkreuzungen oder Farbkreuzungen erlaubt sind, mehr nicht! Eine Ausnahme bildet die FIFe, die auch Zuchtrichtlinien besitzt. Die Inzucht ist jedoch auch hier nicht geregelt.“ So viel zum Thema Standarts…

Wird die Einhaltung überhaupt kontrolliert? Oder geben Papiere über die Abstammung der Katze einem Käufer überhaupt Sicherheit? Nein. Bei welchem Züchter stand irgendwann mal der Vereinschef oder das Ordnungsamt vor der Tür, nur um zu fragen, ob alles in Ordnung ist? (Machen die ja besonders gerne, wenn bisher nie ein Grund zur Sorge bestand) Zu den Papieren kann man nur sagen: Ja, klar, THEORETISCH kann ein potenzieller Käufer sich über die Echtheit der Papiere beim entsprechenden Verein informieren… Wer von uns, der Katzen mit Papieren hat, hat das getan!? Aha… Wie ich in meinem anderen Thema bereits geschrieben habe, hatte auch ich in den letzten Jahren viel Kontakt zu Züchtern, die ihre Katzen bei mir zum Decken gelassen haben, da unser Kater Papiere hat. Unsere Kätzin hat keine. Wir haben für unseren Wurf damals (der natürlich keine Papiere hatte) MEHR ALS EIN MAL das Angebot bekommen „psssssst… wenn ihr für eure Kleinen noch Papiere haben wollt, sagt Bescheid!“. Und ich habe auch einige Male mitbekommen, dass Rassekatzen ohne Papiere, plötzlich doch welche hatten, als sie komischerweise in einen Verein eintreten wollten… Tja. Wenn man die richtigen Leute kennt oder einfach raffiniert genug ist, kann man für seine Katzen oder Kitten IMMER Papiere besorgen, liebe Züchter, ob ihr das nun wahr haben möchtet oder nicht! 😉

Lasst euch zu diesem Thema bitte noch eines gesagt sein: Aus biologischer bzw. evolutionstechnischer Sicht, ist diese Rassestandart- Züchterei das ungesündeste, was man machen kann. Nicht nur, dass irgendwann durch Überzüchtung die Katzen krankheitsanfälliger werden (Stichwort Allergien bei Haustieren etc.). Alle Lebewesen dieser Welt konnten immer nur überleben, weil sie sich weiterentwickelt haben, indem sie ihren Genpool bestmöglich vermischt und erweitert haben. Die Artenvielfalt geht zurück. Was meint ihr woraus die ganzen Farben, die wir heutzutage so toll finden, ursprünglich mal entstanden sind? Richtig, weil sich Katzen mit zwei völlig unterschiedlichen Merkmalen fortgepflanzt haben! Rassen sind nur dadurch entstanden, dass sich völlig unterschiedliche Katzen mal miteinander gapaart haben. Wer natürlich Wert auf Rasse und Reinheit und bestimmte Merkmale bei seinem Nachwuchs legt, klar, der sollte sich auch das passende Gegenstück suchen. Aber ist es nicht eigentlich viel interessanter, wenn man zwei völlig unterschiedliche Farben miteinander verpaart und man hat keinen Schimmer, was rauskommen kann!? Beispielsweise bei unserem blauen Kater (mit orangenen Augen) ist zusammen mit unserer silver shaded Mieze (grüne Augen) (was aus laut „Rassestandarts“ übrigens totaler Hochverrat ist!) ein bunter Mix rausgekommen… 2x schwarz, 1x silver tabby, 1x schoko und 1x blau goldener Tiger. Diese Mischung mit diesen einzigartigen Farben wäre mit Sicherheit nicht rausgekommen, hätten wir uns an die Standarts gehalten 😉

„Wir machen das alles nur aus Liebe zu den Tieren und wenn das wirklich Geld bringen würde, könnte ja auch jeder in einen Verein eintreten!“

Die große Frage an dieser Stelle: Die Liebe zu welchen Tieren ist genau gemeint??? Die Liebe zu den Katzen allgemein, egal ob Rasse oder nicht? (Denn das nehme ich keinem Züchter für eine spezielle Rasse ab) Die Liebe zu den Tieren, die im Tierheim sitzen? (Die glaube ich genau so wenig, denn wieso sind sie nicht bei euch zuhause?) Oder einfach die Liebe zu euren Katzen zuhause? Oder meint man doch eher die Liebe zu den Kitten, die allerdings genau so länge anhält bis der nächste Wurf unterwegs ist??? Ich glaube jedem Züchter, dass er Katzen liebt und Züchten aus Leidenschaft betreibt. Das ist bei mir nicht anders. Der Unterschied ist allerdings: Bei mir war nach zwei Würfen Schluss. Ich kann mich noch genau an unsere zwei Geburten und an jedes einzelne Baby, dessen Charakter, Name und Entwicklung, erinnern. Einige Züchter sind ja teilweise schon bei ihren Würfen im Alphabet bei W oder X angelangt… D.h. dass sie schon über 20 Würfe hatten. Und, wisst ihr noch wie viele es bei eurem A oder B Wurf waren? Welche Farben? Namen??? Ohne Nachzugucken sicherlich nicht. Und ich glaube keinem Züchter, der dann noch sagt, „es ist jedes Mal was ganz besonderes“ oder „jedes Kitten ist einzigartig!“. Genau DAS geht nämlich durch die Züchterei flöten: Zum Einen stumpft man selber mit jedem Mal ab und irgendwann ist eine Geburt und die Katzenaufzucht mehr Routine als ein außergewöhnliches Erlebnis. Zum Anderen bleibt die Einzigartigkeit auf der Strecke… Wenn man inzwischen den 5. oder 10.Wurf hat, wo alle Babies rein blau sind, kann mir keiner mehr weiss machen, dass diese nicht alle gleich aussehen. Sondern jedes ist totaaaaal anders. Klar, vor allem, wenn sie oftmals alle noch den gleichen Vater haben!

Ich finde alleine schon viele Bezeichnungen in Katzenvereinen höchst grenzwertig. Es fängt schon damit an, dass einegetragene Züchter sich einen „Zwingernamen“ ausdenken sollen. Wisst ihr, was Zwinger laut Definition eigentlich bedeutet? „Zwinger= Raum zwischen zwei Mauern einer Burg; in der Regel zwischen der Ringmauer der Kernburg und einer dieser vorgelagerten Mauer. Oder auch eine Mehrzahl von Käfigen oder Gehegen für Tiere (in der Regel für Hunde)“ Klingt nicht sehr einladend oder tierfreundlich, oder? 😉 Aber abgesehen davon, unterscheiden Züchter ja ganz gerne zwischen „Liebhabertieren“ und „Zuchtkatzen“. Die große Frage, die sich mir da schon immer gestellt hat: Aha, das heisst, das Eine schließt das Andere also aus!? Interessant. Konkret bedeutet das: Kauft man als „normaler Mensch“ eine Katze vom Züchter für ca. 800€, unterschreibt man einen Kaufvertrag, wo schriftlich festgehalten ist, dass man das Tier „nur zum liebhaben“ kauft und damit nicht züchten darf und bei Verstoß ist eine Strafzahlung beim Züchter fällig. Diese Kaufverträge sind rechtlich nicht bindend! (Sollte jeder wissen, der ein wenig Ahnung von Jura hat und das kann man sonst aber auch überall nachlesen) 1. Ist ein Tier vor dem Gesetz ja eine Sache und geht daher beim Verkauf vollständig in den Besitz des Käufers über. 2. Verpflichtungsklauseln zur artgerechten Haltung sind im Grunde überflüssig, da das Tierschutzgesetz ohnehin dazu verpflichtet. 3. Vertragsstrafen oder ein Vorkaufsrecht vom Züchter sind nur in seltenen Fällen überhaupt zulässig. Zum Einen muss es sich explizit um einen KAUFvertrag handeln und nicht nur um einen einfachen „Schutzvertrag“. Zum Anderen darf es sich nicht um einen pauschalen Standartvertrag handeln, sondern er muss auf jedes einzelne Tier individuell angepasst sein und unter klaren Bedingungen bzw. Fristen stehen! z.B. Kauft jemand einen Kater. Im Kaufvertrag steht explizit, dass Kater XY zum Datum xx.xx.xx kastriert sein muss und dass der Käufer dafür einen Preisnachlass in Höhe von x Euro erhält. Heisst: Hält der Käufer sich nicht an die Frist (was der Züchter erstmal klar nachweisen muss!), dann könnte der Züchter tatsächlich versuchen den Preisnachlass oder eben eine Strafe einzuklagen. Das Vorkaufsrecht gilt übrigens auch nur im Falle von krasser Misshandlung eines Tieres, welche ebenfalls erstmal erwiesen und dann angeklagt werden muss. Ich denke wir sind uns aber alle einig, dass eine Schwangerschaft da nicht gerade zugehört 😉 Sie dienen letztendlich nur dazu den Käufer vom Zuchtgedanken abzuschrecken und so Konkurrenz zu vermeiden. Wenn man nämlich im Voraus offen und ehrlich sagt, dass man seine Katze gerne mal decken lassen möchte (egal ob nur ein oder zehn Mal!) oder der Kater soll mal die Nachbarskatze decken dürfen, ab diesem Zeitpunkt kauft ihr kein Liebhaber-Tier mehr, sondern ein „Zuchttier“. Ihr wollt ja schließlich züchten. Und da sind Preise zwischen 1500-2000€ typisch. Durch diesen Preis holt sich der Züchter so bereits im Voraus Anteile an eurem späteren Nachwuchs, obwohl er mit diesem eigentlich gar nichts mehr zu tun hat. Eine nette Form der 0% Finanzierung 😉

Achja: Habt ihr eigentlich schonmal darüber nachgedacht, was mit „alten“ Zuchtkatzen oder Deckkatern passiert??? Also die Katzen und Kater, die inzwischen schon einige Würfe hatten bzw. produziert haben? Klar, man könnte meinen, dass diese nach gewisser Zeit einfach kastriert werden und im Haus weiterhin als geliebtes Familienmitglied leben dürfen. Das mag in wenigen Züchterhaushalten ja auch sogar der Fall sein. Aber weil man in der Regel ja gerne ein-zwei Kitten im Laufe der Jahre behält, die später mal als Zuchtkatze oder Deckkater dienen sollen, wird es bei den meisten natürlich irgendwann ziemlich eng daheim. Katzen leben ja schließlich auch was länger… D.h. oft werden diese Tiere einfach kastriert und unter einem Vorwand einfach verkauft. Oder aber man tauscht sich unter Züchtern ganz gerne Mal aus… So hatte der Züchter A bisher einen blauen Deckkater, Züchter B bisher einen braunen, möchte man ja nach ein paar Würfen auch mal andere Farben produzieren. Was liegt da näher, als die Kater dann einfach mal auszutauschen? Ob das so im Sinne der Tiere ist? Kann ich mir nicht vorstellen.

Durch meine Recherchen bin ich übrigens bei einigen Katzenvereinen auf etwas sehr Interessantes gestoßen… Dort werden die Mitglieder offiziell angehalten neue Mitglieder zu rekrutieren und dafür bekommen sie dann Prämien (wie z.B. die Erlassung eines Jahresbeitrages)! „Werbt einen Freund“ gibt es jetzt auch in Katzenzucht-Vereinen! Natürlich nur alles der Tierliebe wegen… Das hat selbstverständlich gaaaaaaaaaaar nichts mit der Wirtschaftlichkeit eines Vereins zu tun! Soll ich euch mal sagen, wozu solche netten Werbeaktionen führen? Ich habe inzwischen schon zwei Mal fast die gleiche Geschichte erlebt… Bekannte hatten Katzen. Die Eine eine ganz normale Hauskatze, die andere sogar eine Rassekatze, allerdings ohne Papiere. Ich habe im Nachhinein von diesen beiden erfahren, dass sie in Vereine eingetreten sind. Und ich: „Hä? Wie das? Das geht doch mit euren Katzen gar nicht?“ Sie: “ Ja eben! Deswegen habe ich meine Katze weggegeben und mir eine mit Papieren geholt! Zwei Große dürfen wir laut Vermieter nämlich nicht.“ In diesen zwei speziellen Fällen kamen die Katzen zum Glück nicht ins Tierheim, sondern zu Freunden. In DIESEN Fällen. Aber wozu sowas wohl führen mag? Sicherlich nicht dazu, dass die Tierheime leerer werden. Aber marketingtechnisch ist das echt genial, die Beliebtheit von Rassekatzen so weiter zu steigern. Und dass sich dadurch  ZUFÄLLIG der Umsatz um ein gaaaaaaaanz klitze kleines bisschen erhöht ist natürlich auch nicht zu verachten. Ach nein, entschuldigung, ich vergaß! Kein Züchter verdient ja an seinen Katzen irgendwas! Ist ja immer eine Plus-Minus-Null Rechnung! Komischerweise habe ich bis heute noch keinen einzigen Züchter getroffen oder zumindest von einem gelesen, der jeeeeeeeeemals, irgendwann in seinem Leben mit der Katzenzucht auch nur einen einzigen Cent verdient hat. Ich finde das wirklich bewundernswert, dass diese Menschen offensichtlich nur von Luft und Katzenliebe leben können…

Passend dazu kommen wir nun zu meinem Favoriten…

Die Kosten einer Rassekatze:

Bei mir war es so: Ich war damals einfach auf der Suche nach einer Katze wie aus der Sheba-Werbung, weil ich diese unglaublich schön fand. Es war eine rein oberflächliche Geschmacksentscheidung. Erst beim Recherchieren merkte ich, dass diese Katzen aber nur von sogenannten „professionellen Züchtern“ angeboten wurden, wo mir der Unterschied zu einem „normalen“ Katzenhalter nicht direkt klar war. Auch, dass es überhaupt einen Unterschied zwischen “Rassekatzen” und „normalen Katzen“ gibt war mir als junges Mädchen nicht klar. Und erst als ich selber auf der Suche nach meiner Wunschmieze war, lernte ich richtig, was dies konkret bedeutete und war schockiert: 500-1000€ für EINE Katze??? Um mir meinen Traum zu erfüllen, habe ich damals natürlich in diesen sauren Apfel gebissen. Versteht mich nicht falsch: Ich bereue diese Entscheidung natürlich nicht, weil ich meine Katzen über alles liebe, aber dennoch frage ich mich bis heute: Was soll das? Hätte unser Bauer im Dorf solche Katzen gehabt, hätte er mir diese wahrscheinlich sogar geschenkt. Mir hätte theoretisch auch ein „Mischling“ in meiner Wunschfarbe gereicht, der vlt ein Zehntel gekostet hätte und mir genauso viel Liebe zurück gibt, wie ich ihm entgegen bringe. Wie kommen also diese krassen Preisunterschiede zustande?

Wenn man genau diese Schlagwörter einfach mal googelt, findet man hunderte Aufstellungen, Rechnungen und vor allem Rechtfertigungen, wieso gewisse Katzenrassen so teuer- obwohl, nein, falsches Wort- ÜBERteuert sind. Als „Laie“ auf dem Gebiet sitzt man noch ganz ehrfürchtig am PC und denkt sich, nachdem man die ein oder andere Begründung gelesen hat, „Verständlich, das ist ja klar!“ Wer sich, wie ich, aber ein paar Jahre mit diesem Thema beschäftigt und einige Züchter kennenlernt, dem bleibt nichts anderes übrig als sich über diese Kostenaufstellungen köstlich zu amüsieren, weil sie teilweise absolut abstrus sind. Oder aber man fühlt, wie stetig in einem die Wut aufsteigt, wenn man liest auf welche dreiste Art und Weise diese „seriösen Kaufleute“ mit ihren Tieren tierliebe Menschen wirklich verarschen und abzocken wollen.

Bitte nehmt euch mal wirklich die Zeit und besucht mal einige Züchterseiten! Ihr werdet feststellen, dass sehr viele einfach nur die Copy-Paste Funktion genutzt haben! D.h. viele machen sich nicht mal die Mühe die Kosten realistisch aufzulisten, sondern kopieren es einfach in ihre eigene Seite und nehmen damit auch automatisch die Denkweise an, dass diese Aufstellung richtig sein muss. Alles was auf der Seite des anderen Katzenzüchters stand, muss ja die reine Wahrheit sein! Ist ja schließlich auch ein Züchter. D.h. Sie beschäftigen sich selbst null mit dem Thema, hinterfragen das gar nicht erst, aber wiederholen trotzdem brav all das, was sie bei allen anderen Züchtern gelesen haben… Das finde ich persönlich nicht sonderlich vorbildlich oder fair. Sondern eher ziemlich traurig… Und diese Menschen sagen allen anderen Katzenhaltern dann auch noch, wie sie mit ihren Katzen umgehen sollen.

Ich zeige euch hier zunächst mal ein paar Kostenaufstellungen, die ich gefunden habe. Alle gehen von einem durchschnittlichen 4er Wurf aus.

Nummer 1:

Kostenaufstellung

– 800 km entsprechen der Strecke von Düsseldorf nach Hamburg und wieder zurück! Schaut auch bitte hier mal spaßeshalber im Internet nach, wie viele Deckkater ihr allein im Umkreis von 100km finden werdet…

– Decktaxe: Auch wenn ihr das überprüft, werdet ihr sehen, dass von 50 angebotenen Deckkatern nur 1-2 diese Decktaxe verlangen. Kann man natürlich machen, realistisch sind eher 100 – 200€!

– Impfungen für EIN Baby 120€. So viel habe ich für eine Impfung meines ganzen Wurfs bezahlt…

– Futter und Entwurmung genauso: Zwei Packungen zur Entwurmung ALLER Kitten kosten maximal so viel! Und ich habe noch kein Baby gesehen, dass allein für 50€ frisst! 80-100 Euro für den ganzen Wurf sind realistisch!

– Wie ihr merkt, schleppt dieser Züchter seine armen Tiere ganze 6 Mal zum Tierarzt! 2x vor der Geburt, 2x nach der Geburt und dann noch 2x zum Impfen… Das ist unnötiger Stress für die Mutter, die Babies und medizinisch nicht notwendig! (Übrigens hat derjenige da aber noch vergessen die ganzen Fahrtkosten zum TA zu berechnen! Und der nächste ist bestimmt auch mindestens 300km weit weg! 😉 )

– Überbringen der Katze: Halte ich für unglaubwürdig. Wer von euch hat sich seine Katze vom Züchter bringen lassen??? Holt man die Katzen nicht eher ab!?

– Gesundheits Rücklage: Das finde ich besonders interessant. Eine Gesundheits Rücklage für ein Baby, das man dann schon weg gebracht hat? 😉

Nummer 2:

Das Besondere bei dieser Aufstellung ist, dass ich genau die Gleiche direkt mehrmals gefunden habe! Die Ursprüngliche ist aber offensichtlich schon SO alt, dass sie noch in Mark angegeben ist! Die anderen Züchter haben es sich ganz einfach gemacht und das Ganze nur in Euro hingeschrieben (aber achtet mal auf die Umrechnung…)

Kostenaufstellung2– Deckgebühr: Wie schon oben erwähnt: Überzogen und unrealistisch

–  Tests und Zeugnis: Zum Einen kosten diese Tests und das Zeugnis zwischen 80-100€, zum Anderen ist es sehr umstritten ob diese überhaupt was bringen. Außerdem: Zu DM Zeiten war es offensichtlich günstiger 😉

– Kosten für das Suchen vom Kater: Allein, dass das „in Rechnung gestellt“ wird, finde ich schon eine Frechheit! Fahrtkosten, ok, aber hat man nicht heutzutage Telefon- und Internetflatrates zum Suchen???

–  Futter/ Streu: Ebenfalls maßlos übertrieben. Zwischen 80 und 120€ (je nach Wurfgröße und Futter) inklusive der Mutterkatze sind Durchschnitt!

– „Zusätzliche Ernährung“: Hier stellt sich mir einfach die Frage: Wer schon 300€ für Futter berechnet hat, wie kommt man noch auf zusätzliche 100€ Futterkosten!?

– Impfungen und Co: Das Gesundheitszeugnis wurde oben schon berechnet, sonst ca 30€ für Wurmkuren und zwischen 250-350€ je nach Tierarzt für die Impfungen aller Babies sind realistisch.

– Kosten für Inserate: Das ist der Hammer! Wer möchte mir denn heute noch erzählen, dass er 150€ für Inserate ausgibt??? Zu Zeiten des Internets und sämtlichen Portalen, wo man zum Großteil kostenfrei inserieren kann, einfach unglaublich…

– „Weitere Werbungskosten“: NOCH mehr Geld für Werbung??? Und „Bewirtungskosten“? Hallo? Das heisst alles, was während der 1-3 Tage auf einer Katzenausstellung getrunken und verspeist wird, holt man sich über die Interessenten wieder rein oder wie? Also ich würde weder eine Currywurst-Pommes-Mayo, noch Stullen vom Bäcker bezahlen wollen… Oder ist damit gemeint, dass wir jetzt schon den zukünftigen Katzenbesitzern in Rechnung stellen, dass wir die Tiere ja füttern müssen? 😉 Und zu Ausstellungskosten generell: 1. Ist es jedem selber überlassen, ob man seiner Katze sowas antun möchte, 2. finde ich es ziemlich frech diese Kosten überhaupt auf die Kitten abzuwälzen, nur weil man selber scharf auf einen Titel ist.

Manche Züchter gehen sogar soweit, dass sie die kompletten Kosten der Mutter noch mit einberechnen! Also Anschaffungskosten für die Mutter, Ausstellungskosten, auf denen die Mutter mal irgendwann war, oder berechnen fein das Katzenmobiliar, was sie sich irgendwann mal angeschafft haben. Oder sogar die Einschreibungskosten bzw. den Jahresbeitrag des Vereins. Das gehört da nicht rein! Schließlich war es eine persönliche Entscheidung des Züchters, in einen Verein einzutreten! Und diese Gebühren zahlen die angehenden Mitglieder schließlich für den bürokratischen Aufwand, den der VEREIN hat und nicht die Züchter selber!!! Der Stammbaum ist das Einzige, was auch einen Nutzen für die künftigen Besitzer hat, das ist das Einzige, was in Ordnung ist! Da bitte aufpassen!

So. Nun habe ich mir für euch natürlich auch die Mühe gemacht mal eine wirklich realistische Aufstellung zu machen!

KittenKostenaufstellungBILD

Wie ihr seht, habe ich bei einigen Punkten extra differenziert und das Minimum bzw. Maximum ausgerechnet. Nichts desto trotz sind das natürlich alles Durchschnittswerte!!!

Einige Züchter werden bei dieser Aufstellung jetzt wahrscheinlich direkt aufschreien: 1. „Es fehlt das Gesundheitszeugnis der Katze, das man für den Deckkater braucht!“ – sind 25€. 2. „Die Deckgebühr von SERIÖSEN Deckkatern sind aber nunmal 300€!“ und 3. „Ich kaufe für meine Babies immer nur das allerbeste Futter und komme immer locker auf 200€!“ Ok. Gehen wir von diesen Beträgen aus, käme man dennoch auf mindestens 982€ für den gesamten Wurf  (und damit 245€ pro Kitten) und maximal auf 1082€ (macht 270,50€ pro Kitten). Wenn also mit dem Wurf alles problemlos verlaufen ist und sie werden mit Papieren für 500€ aufwärts verkauft, müsste nach Adam Riese ein Gewinn von Minimum 230€ pro Stück übrig bleiben oder irre ich mich da!? Wie möchte man das denn weg argumentieren?

Klar, man kann auch 300 Euro als Deckgebühr zahlen. Oder Futter für das Doppelte vom Preis kaufen (wobei ich, wie ihr seht, schon sehr auf Qualität achte!). Oder man ist tatsächlich bei einem Tierarzt gelandet, der 80€ für eine Impfung eines Babys nimmt- Da würde ich allerdings wirklich empfehlen einen anderen zu suchen! Oder man kann es natürlich mit der Werbung auch vollkommen übertreiben! Aber selbst unter DIESEN Umständen landet ihr effektiv „nur“ bei Fixkosten von 250-300€ pro Katzenbaby!

Das Einzige, was ich jetzt mal nicht berücksichtigt habe, sind medizinische Notfälle. Ein Kaiserschnitt würde z.B. nochmal mit 1000€ zubuche schlagen! Bei 4 Babies wäre man dann in der Tat bei Kosten von 400- 500€ pro Kitten. Aber auch da ist Vorsicht geboten: Gerne berechnen auch Züchter einfach mal pauschal Tierarztkosten, die bei den Elterntieren oder kommenden Würfen IRGENDWANN MAL aufkommen KÖNNTEN! Die haben in meinen Augen auch nichts mit dem Katzenbaby zu tun, das ihr euch anschaffen möchtet, oder?

Damit ihr auch wisst, woher ein paar meiner Preise stammen:

Entwurmungszeug: http://www.medpets.de/banminth+katze/?channel_code=544&product_code=69009232&utm_source=google-shopping&gclid=CKXBwoSPq7wCFZShtAodWVgApg

Babymilch: http://www.fressnapf.de/shop/babycat-milk

Baby Trockenfutter: http://www.fressnapf.de/shop/royal-canin-babycat-34;

Das ganze Nassfutter kaufe ich übrigens ganz einfach bei Aldi Süd. Die 200gr Cachet Dosen haben 60% Fleischanteil und sind ohne Zucker und Getreide und damit sehr gesund. Und die Beutelchen haben ebenso in Tests gut abgeschnitten… Es gibt also effektiv keinen Grund 200€ an Futter auszugeben. 😉

Klar, für den ersten Wurf muss man noch ein paar Sachen zusätzlich anschaffen: Eine Babytoilette z.B., diese kostet ganze 4€ bei Fressnapf http://www.fressnapf.de/shop/anione-kitten-starter-tray (wäre also nur 1€ pro Baby mehr). Oder einen Welpenlaufstall (die wirklich super praktisch und empfehlenswert sind!), kosten in der kleinsten (für Katzen ausreichenden) Größe 30€. Wären also nochmal 7,5€ Aufschlag pro Baby… http://www.amazon.de/TecTake-Welpenlaufstall-Tierlaufstall-Kleintiere-Katzen/dp/B00BXJEHMY/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1391292542&sr=8-2&keywords=laufstall+welpen

Wir haben zudem unseren zukünftigen Katzenbesitzern immer noch ein Starterset mitgegeben. Darin enthalten war das Set von Royal Canin (mit einer schönen Dose, Futter und sogar einer Anleitung „eine Katze kommt ins HAus) für 6,50€ pro Stück und dann haben wir noch ein paar Spielzeuge und etwas von dem anderen Futter mitgegeben. Kostet alles zusammen dann ca. 10€ für ein Kleines… http://www.fressnapf.de/shop/royal-canin-starter-set-kitten – Wobei ich dieses aber nie mit einberechnen würde, da es ein Geschenk von uns an die zukünftigen Besitzer ist, das den Kitten ja ebenfalls nur zugute kommt.

Bei uns ist so: Alles, was ich für meine großen Katze eh immer kaufe (Futter, Streu, Spielzeug, Decken, Vitaminpasten, etc.) berechne ich überhaupt nicht, das gehört für mich nicht in so eine Aufstellung rein! Und nein, auch nicht die Fahrtkosten zum Einkaufen! 😉 Wir persönlich haben ja sogar noch das Glück, dass wir unseren Deckkater zuhause haben und nicht im Verein sind. D.h. bei uns entfallen Fahrtkosten zum Kater, sowie die Deckgebühr und die Gebühren für die Stammbäume. Wenn man das runter rechnet haben wir (wenn alles problemlos verläuft) Kosten von ca. 110€ pro Kitten. Und ja, wir haben die Kleinen zu marktüblichen Preisen (also für Babies OHNE Papiere!) verkauft. Dadurch blieb ein kleiner Lohn für unsere „Mühen“ über. Nur der Unterschied ist: Wir können dazu stehen! Wir finden einfach, dass es keinen Grund gibt so zu tun als wäre es nicht so. Klar, reich wird man dadurch nicht. Und man sollte sich definitiv nicht seinen Lebensunterhalt durch seine Haustiere verdienen. Aber warum die meisten Züchter so versessen darauf sind einen Umsatz an den Tieren abzustreiten, ist mir nach wie vor leider unbegreiflich…

Wir haben die gesamte Zeit mit den Kleinen einfach total genossen! 🙂 Wir fanden es toll bei der Geburt dabei zu sein, die Kleinen aufwachsen zu sehen, zu beobachten wie sich die Eltern so anstellen und wir können bei unseren Freunden und Verwandten jederzeit sehen, wie sie sich entwickelt haben. Das war überhaupt auch unser ursprüngliches Motiv, warum wir das eigentlich gemacht haben und nichts anderes. Und ich finde es ehrlich gesagt absolut nicht verwerflich, dass es Menschen gibt, die diese tolle Erfahrung ebenfalls ein Mal machen möchten ohne in einem Verein zu sein. Ich gönne es jedem, denn dieses Erlebnis ist definitiv der tollste Gewinn! 🙂 Und nebenbei: Sie waren genauso wunderschön und kerngesund als hätten sie Papiere gehabt! Oder wie seht ihr das? 😉

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FAZIT:

Liebe Katzenhalter: Züchter sind genauso tierliebe Menschen wie wir alle. Und es ist wichtig, dass es sie gibt. Ich möchte niemanden von euch auffordern ihnen eins auszuwischen und einfach selber zu züchten. Ich möchte nur, dass ihr einen Einblick hinter die Fassade der Zuchtvereine erhaltet und bei den Argumenten mancher Züchter nochmal genau hinschaut: Bis auf die Stammbäume und evtl die Höhe der Deckgebühr gibt es eigentlich effektiv keinen Unterschied zwischen den Kosten, die man hat, wenn man Babies von Rassekatzen großzieht oder die von ganz einfachen Hauskatzen! Futter und medizinische Versorgung ist ja wohl die Gleiche (sollte sie zumindest sein)! Und 20 € für einen Stammbaum bei Rassekatzen mehr, rechtfertigen definitiv keine Verkaufspreise von 800€ aufwärts!!! (Es sei denn sowohl bei der Mutterkatze als auch den Kitten waren teure Operationen nötig, aber das kann glaub ich nicht ständig bei ALLEN Würfen von ALLEN Züchtern IMMER der Fall sein…) Und es kann mir definitiv keiner erzählen, dass bei diesen Summen NIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEEEEEEEEEEEMAAAAAAAAAAALS etwas über bleibt. Und dass AAAAAALLES immer nur zum Wohle der Katzenheit geschieht. Also lasst euch bitte nicht blenden! 🙂

Liebe Züchter: Ich hoffe ihr habt verstanden, dass es mir nicht darum geht Katzenzuchtvereine oder Züchter ansich schlecht zu machen. Und nein, ich fordere niemanden auf selber zu „produzieren“, damit ihr überflüssig werdet. Ihr leistet gute und gewissenhafte Arbeit. Und ich glaube jedem einzelnen von euch, dass eure Katzen und deren Gesundheit euch am Wichtigsten sind. Mein Apell an einige von euch ist lediglich, eure Denk- und Verhaltensweisen gegenüber anderen Katzenhaltern mal kräftig zu überdenken. Viele von euch sind sehr intolerant und rechtfertigen ihr Tun und ihre Preise mithilfe von Märchengeschichten, die heutzutage einfach nicht mehr stimmen. Und wieso rechtfertigt ihr euch überhaupt??? Steht doch einfach zu dem was ihr tut. Ihr züchtet Rassekatzen, weil euch Rassekatzen nunmal auch lieber sind als Mischlinge aus dem Tierheim. Das ist keine Position aus der heraus man anderen tierlieben Menschen sagen sollte „Ihr seid Unmenschen und euch sind die Tiere im Tierheim egal!“. Deswegen seid bitte einfach ehrlich und versucht nicht anderen katzenliebenden Menschen mit blöden Floskeln ein schlechtes Gewissen einzureden, nur weil sie eventuell auch mal Babies haben möchten. Ihr fürchtet einfach, dass diese Menschen eine Konkurrenz für euch darstellen könnten, das ist der eigentliche Punkt. Es ist auch als Geschäftsmann nicht verwerflich dazu zu stehen. Und tut bitte nicht so als würde finanziell beim Züchten nix bei rumkommen – auch ihr könnt nicht nur von Luft und Liebe leben! Diese Überheblichkeit ist einfach nicht in Ordnung und ihr stellt euch dadurch als eine Elite dar, die ihr nicht seid. Ihr möchtet doch eigentlich auch nur, dass jeder Käufer erkennt, dass ihr das letztlich alles nur deswegen macht, weil ihr das Leben zusammen Katzen mit liebt und es für euch nur ein positiver Nebeneffekt ist, dass etwas Geld hängen bleibt, oder nicht? Na also. Dann verhaltet euch doch bitte auch so und hört auf, auf euren Prinzipien zu beharren. 🙂

Ich hoffe sehr, ich konnte einige Menschen durch diesen Beitrag etwas zum Nachdenken anregen. Vielen wird er sicherlich missfallen, das ist mir klar. Ich wünsche mir nur, dass dieser Bericht die Kluft zwischen „Vermehrern“ und Züchtern wieder etwas schließen kann, in der Hoffnung, dass man sich dadurch wieder langfristig auf einer Ebene treffen und sich vernünftig unterhalten kann…

Eure Mel

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Ein Kommentar zu „Der Mythos Rassekatzen – Die Wahrheit über Züchter, Papiere, Kosten und deren „Standarts“

  1. Ich stimme Ihnen zu 100 % zu. Ich habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht.

    Meine Katze ist zum ersten Mal tragend. Ihre Tipps dazu finde ich ganz toll.

    ich musste schon bei Facebook eine BKH Gruppe verlassen, da man offensichtlich rassistisch gegenüber BKHs ohne Stammbaum ist! Und ich dachte wir hätten in Deutschland diese Zeiten bereits hinter uns. Das wohl einer Katze ist meiner Meinung nach nicht abhängig von einem Ordner Papiere.

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